Kurschatten

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Geschrieben von Ela G.  am 11.02.2013

Meine beste Freundin ist in der Reha! Im Vorfeld klagte meine Kumpeline über diverse Gebrechen und weil Frau ja bekommt, was sie will ist sie nun zur Rehabilitation im Sauerland. So weit so gut. Früher, so sagt der Volksmund fuhr man in Kur und suchte sich dort einen Kurschatten, der sich dann vornehmlich um die körperlichen aber auch um die seelischen Belange der zu kurierenden Patientin kümmerte.

Diese kehrte dann irgendwann, gründlich genesen, wieder zurück zu Heim, Herd, Mann und Blagen. Doch leider ist das alles Schnee von gestern. Heute ist der Zeitplan eng, Anwendung folgt auf Anwendung, das Publikum überaltert und die früher, wenn nicht gerade mondän, dann aber zumindest eleganten Kurstädtchen sind heute eher zu  verschlafenen Käffern mutiert, wo um 22.00 Uhr der Gehweg hochgeklappt wird. Für die Anbahnung eines sexueller Entspannungsprogramms fehlen weder Zeit noch Gelegenheiten noch geignetes Männerpotential.

Was bleibt dem weiblichen Kurgast anderes übrig außer Fernsehen und früh zu Bett? Richtig, vor der Abreise wurde die Spielzeugkiste geprüft, eine Auswahl getroffen und auch der Beate-Uhse-Shop wurde noch mal aufgesucht. Denn  nachdem wir beim RehaKurVorbereitungsShoppen nach einem neuen Bademantel, Badelatschen und einem Jogginganzug gesucht hatten, sagte meine Freundin: „ich muß noch mal zu Beate, sonst wachsen mir Spinnweben und ich komme mit dem Vermerk “ungeöffnet zurück“ zurück  – vielleicht sollte man das seitens der Kassen in die Checkliste aufnehmen LOL.

Auf der einen Seite ja eine echte Beruhigung für ihren Ehemann, der sie quasi nur mit einem Gummipeter teilen muss, aber eigentlich, mal unter uns Frauensleuten auch ganz schön traurig. Nichts gegen einen schönen selbstgemachten Orgasmus, aber war dieser kleine Kitzel, der Flirt in der Kur nicht früher Teil der seelischen Genesung? Ich will bestimmt nicht zur Untreue und zum wilden Durcheinander aufrufen, aber ist damit nicht auch ein Teil des Kurerfolges gefährdet? Wer seinem Kurschatten gefallen will, reißt sich zusammen, macht sich hübsch, nutzt die Angebote für Fitness und Wellness um attraktiv zu erscheinen. Die Glückshormone unterstützen den Genesungsprozess. Wer geht ins Sprudelbad, um die Durchblutung anzuregen, wenn abends nur ein Vibrator auf dich wartet?

Ich glaube, das der sexuelle Reiz in früheren Zeiten entscheidend zum Erfolg einer Kur beigetragen hat. Gesundheit, Fitness, geistiges und körperliches Wohlbefinden steht in direktem Zusammenhang mit unserer Sexualität. Erholung in einer nüchternen und langweiligen, ja klinischen Atmosphäre ohne An- geschweige denn Erregung kann dem maximalen Genesungserfolg nur abträglich sein. Und daran kann auch der Hightech-Lümmel und die Großpackung Wechselbatterien nichts ändern.

Und wer mir meine These nicht glaubt, dem empfehle ich den Roman „Der Zauberberg“ von Thomas Mann.

 

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