Fastenzeit…

by Gabi. 0 Comments

Geschrieben von Rico P. am 04.02.2013

Ich habe einen richtig guten Kumpel, ich nenne ihn hier mal Sven. Wir kennen uns seit der Bundeswehr und wir haben einen ziemlichen Streifen zusammen durch. Und weil wir uns in der Vergangenheit schon mal ein ähnlich aufgestelltes Damenpärchen brüderlich geteilt haben, gibt es auch im Sexuellen wenig oder besser keine Geheimnisse.

Ich sags mal so: wenn ich heute Erektionsprobleme bekäme, wäre Sven derjenige, mit dem ich besprechen würde, wie ich damit klarkommen kann.

Sven ist kein Kostverächter, er ist mit einer wesentlich älteren Frau verheiratet, die ihm in diesen Dingen viel Freiraum lässt und sein Außendienstjob als Servicetechniker bietet ihm die  Möglichkeiten für das eine oder andere Tetaté. Wir saßen neulich Abend zusammen und dann sagte er etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet hätte. Sven hat für sich beschlossen, bis Ostern weder Seitensprünge zu unternehmen noch sich selbst zu befriedigen.

Ich schaute erst mal ziemlich sparsam, denn Sven ist nicht religiös oder hängt irgendwelchen kruden Heilslehren an. Dann kam seine Erklärung, die mir wirklich zu denken gab. Er sagte, das Sex in seinem Leben ein sehr wichtige, wenn nicht sogar die wichtigste Sache sei. Er habe das Glück, eine Partnerschaft zu haben, die stabil und eifersuchtsfrei sei, weil sie auf anderen Grundfesten als auf körperlicher Affinität baue. Er könne sein Leben in erotischer Hinsicht frei gestalten und seine Lust ausleben. Er habe aber für sich festgestellt, dass – obwohl er alle Möglichkeiten habe, sich sexuell auszutoben – ihn gerade dies immer weniger befriedigt. Er habe sich auf seinen ausgedehnten Dienstreisen sogar die Frage gestellt, ob es bereits sexsüchtig sei. Er sagte, er genießt eigentlich alle Spielarten, der große Kick sei aber immer seltener zu erreichen. Er hat deshalb diesen Entschluss gefasst, um einfach seine persönliche Reizschwelle wieder abzusenken. Wenn man ständig konsumiert, verlieren viele Dinge ihren Reiz. Sonntags ein Stück Kuchen; lecker. Sieben Tage die Woche Kuchen; nein danke!

Ich bin nicht mal ansatzweise so ein Womanizer wie Sven, aber bei genauem Nachdenken kommt man nicht umhin, ihm recht zu geben. Wir leben in einer Zeit ständiger Reizüberflutung. Ich selbst habe bei mir schon beobachtet, wenn ich im WWW. nach einer geeigneten Entspannungsvorlage gesucht habe, dass ich vor lauter reizvollen Angeboten immer weiter geklickt habe und dann im Endeffekt doch nicht zum Schuß gekommen bin.

Guter Sex ist immer mit Phantasie und dem gewissen Kribbeln verbunden, und je größer das Angebot, um so geringer der Reiz.

Sven sagt, der Zeitraum von Aschermittwoch bis Ostern hätte sich angeboten, weil ja im Moment in den Medien so viel von Verzicht, Reinigung und Erwartung die Rede sei.

Ich stelle diesen Gedanken jetzt hier mal zur Diskussion: ist weniger manchmal mehr? Steigern wir unsere Lust durch bewusste, selbst herbei geführte Verknappung?  Ich bin wirklich neugierig, ob wir mit unserer Meinung da alleine stehen?!

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