Hitze in der Hitze

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Geschrieben von Ela G. am 20.07.2012

Wenn es Frau überkommt, muss auch das weibliche Geschlecht für Entspannung sorgen. Früher war das nicht so klar, aber irgendwann hieß das Verlangen bei Frauen, welches sich – laut der damaligen MännerFachwelt – durch Übellaunigkeit und Missmut äußert, einfach nur noch „Hitze“. Die „Krankheit“ wurde durch die „Behandlung“ eines Arztes behoben. Die überfällt eine Frau übrigens auch des Sommers bei 30°C im Schatten, aber heute fühlt sich dafür kein Arzt mehr zuständig. Was tut sie also in der Hitze mit der Hitze?

Mich überkam die se so genannte Hitze an einem ebenso heißen Sommertag auf meinem Balkon. Eigentlich ist der gut geschützt und ich fühle mich dort relativ sicher. Schon oft hatte ich es mir dort selbst besorgt. Schließlich hat ja dieser besagte „Arzt“ nicht grundlos einen Vibrator erfunden, um seine leidenden Patientinnen von ihrer „aufsteigenden Hitze“ zu kurieren.

Wenn also in meinem Leben Männer-Mangel herrschte, kurierte ich mich nicht selten selbst – des Sommers eben auch auf dem Balkon. Diesmal war ich jedoch nicht allein. Bald mischte sich meinem Stöhnen eine zweite Stimme hinzu. Meine Unternachbarin war wohl ebenfalls gerade auf dem Balkon zum Sonnenbaden und fühlte sich von meinem Tun angeturnt. Beherzt griff sie ebenfalls zu einem elektronischen Muntermacher und summte sich damit in den siebenten Himmel.

Einen kurzen Moment habe ich mich gefragt, ob es mich stört. Aber ich konnte nicht wirklich Anstoß an ihrem Tun nehmen. Als es auf ihrem Balkon wieder ruhig war und ich von meinem Höhepunkt wieder herunter geschaukelt war, riskierte ich einen Blick über die Balkonbrüstung. Statt eines „sich-schamvoll-Abwendens“ erwartete mich ein breites Grinsen der neuzugezogenen Mitmieterin ein Stockwerk tiefer und die Frage „Kaffee oder Prosecco?“.

Ich entschied mich für Prosecco – schließlich war es heiß draußen wie drinnen. Zunächst bewunderte ich die Wohnungseinrichtung, in der ich mich sofort wie zu Hause fühlte. Auf dem Balkon unter meinem entspann sich im Anschluss ein langes und intensives Frauengespräch über Männer und Frauen im Allgemeinen und Selbstbefriedigung im Besonderen. Ungeniert plauderten wir über Sextoys und wie einfach diese neuzeitlichen Erfindungen einer Frau doch das Singledasein machen.

Aus dem gemeinsamen tiefen Bedauern, das wir beide gegenüber diesen armen, prüden Frauen von früher empfanden, die sich – waren ihre Männer zu faul oder nicht verfügbar, an einen Arzt ihres Vertrauens wenden mussten, entwickelte sich die offensten FrauenFreundschaft, die ich bis dato erleben durfte. Wann immer wir uns wo auch immer trafen, es gab kein Thema zwischen uns, dass wirklich tabu war.

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