Fastnacht – am Aschermittwoch ist alles vorbei

by Gabi. 0 Comments

Geschrieben von Rico P. am 06.03.

Fast noch Nacht war es, als ich geweckt wurde von lautem Lärm auf der Straße. Ich ging ans offene Fenster. Unten auf der Straße trieb sich der johlende Mob, die verkleideten Herrschaften kamen von einer der letzten Prunksitzungen des diesjährigen Karnevals. Ich legte mich wieder hin, konnte aber nicht schlafen. Mir schwebten die Gedanken an angetrunkene Dirnen in halboffenen Kostümen und busengrapschende Saufnasen durch den Kopf. Was veranlasst Menschen, einmal im Jahr derart über die Strenge zu schlagen und sich dem jeweils anderen Geschlecht so unverblümt an den Hals zu werfen..

Ich versuchte die Gedanken beiseite zu schieben, konnte es aber nicht. Wie oft war ich in den vergangenen Jahren während der Zeit der Jecken durch die überfüllten Faschingsmetropolen gezogen, weil meine Freunde, in deren betont lustiger Begleitung ich mich befand, meinten so leicht wie zum Karneval käme man das ganz Jahr über nicht an Frischfleisch. Mir war eigentlich immer nur schlecht, wenn eines der angeshakerten Tanzmariechen sich rittlings auf mich setzte und mich lallend fragte, ob ich ihr noch ein Kölsch spendieren würde. Bin ich jetzt ein Spielverderber?

Ich hab nichts gegen eine ONS und auch nichts gegen einen lustigen Abend – da darf auch was getrunken werden, aber diese organisierte Fröhlichkeit mit dem fast schon verordneten Ehebruch, turnt mich eher ab. Wie frustriert muss man in seinem Leben, seiner Beziehung sein, damit man daran Freude finden kann. Die meisten lüsternen Damen erweisen sich doch nur als Mogelpackung; entweder schlafen sie bereits auf dem Weg „zu dir oder zu mir“ ein, oder sie erklären dir im Schummerlicht des eigenen oder fremden Schlafgemachs, dass sie ihren Partner doch so lieben und ihn eigentlich nur eifersüchtig machen wollten. Meistens springt für den aufgeheizten Karnevals-Galan nicht einmal eine gut gemachte Handmassage heraus geschweige denn ein Blowjob. Nach dem feucht-fröhlichen Abend folgt meistens bereits in den frühen Morgenstunden das nasskalte Erwachen.

Das hat doch nichts mit Flirten, Angraben, Anbaggern oder sich Mühe geben zu tun. Zu einem ambitionierten tete-a-tete gehört doch mehr als vögeln, poppen, rummachen. Auch wenn es nur für einen einzigen Abend sein sollte, möchte Mann doch das Gefühl haben, eine Eroberung getätigt zu haben. Das liegt doch in der Natur der Sache, das ist doch unser – nach wie vor ausgeprägter Jagdtrieb. Klingt ein gelalltes „Spendierste mir n Kölsch!“ nicht genauso billig wie ein angetrunkenes „Willste ficken“. Ein nüchternes, gut gekleidetes „Willste ficken“ dagegen, hat durchaus die Chance auf Erfolg, vor allem wenn es aus dem Mund einer gepflegten Frau kommt – bei mir jeden Falls. Und die meisten Frauen, die den Mut hatten, mir auf diese Weise zu sagen, dass sie Lust haben, waren nicht böse, wenn ich meinerseits ihre Einladung mit einer Einladung zu einem Getränk ihrer Wahl unterstrichen habe.

In dem Gedanken an so schöne Angebote war an Schlaf nun gar nicht mehr zu denken. Ich beschloss, die Fantasie in meinem Kopf noch etwas zu beschleunigen und besorgte es mir selbst. Im Anschluss stellte ich zum wiederholten Mal fest:  lieber eine gepflegte Selbstbefriedigung mit Erfolgsgarantie als falsche (Faschings)Wimpern auf den Kissen.

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